Arbeitsplätze hart an der Grenze (aber dahinter)

rd | 14. Juli 2016, 19:51 | 18 Kommentare

Platz für 600 Arbeitsplätze (Foto: Arvato)

Platz für bald 600 Arbeitsplätze (Foto: Arvato)

In Kleve, der alten Residenzstadt, hat man sich seit einigen Jahren achselzuckend daran gewöhnt, dass die großen Arbeitgeber keine kommerziell orientierten mehr sind. Hoffmann und Union sind Vergangenheit, die meisten Arbeitsstellen bieten Krankenhäuser (Klever, LVR) und Kreisverwaltung.

Dafür tut sich gleich hinter der Grenze Großes: Der zum Bertelsmann-Konzern gehörende Logistikdienstleister arvato SCM Solutions betreibt für Kunden aus den Branchen Hightech und Konsumgüter ein neues Logistikzentrum gleich hinter der Grenze in Gennep.

Das 30.000-Quadratmeter-Gebäude ist von der A 57/A 77 aus gut zu sehen – es ist fast so groß wie der Medline-Standort an der Klever Umgehungsstraße. Im Frühjahr wurde der Betrieb aufgenommen, derzeit arbeiten rund 300 Frauen und Männer in Gennep. Rund 60 Mitarbeiter, also etwa 20 Prozent, pendeln aus Deutschland zu dem neuen Logistik-Standort. Bei den 300 Arbeitsplätzen soll es allerdings nicht bleiben: Eine Erweiterung des Verteilzentrums um zusätzliche 40.0000 Quadratmeter ist in der Planung, am Ende sollen dort 600 Menschen arbeiten.

Aus der Sicht des Konzerns bietet der gewählte Standort in Nord-Limburg erstklassige Infrastruktur-/Verkehrsanbindungen, die die Niederlande mit Deutschland und dem Rest von Europa verbinden. Kurze Distanzen zu inländischen Verschiffungsterminals und zum Schienenverkehr kommen multimodalen Transportlösungen zugute.

Andreas Barth, President Hightech & Entertainment bei arvato SCM Solutions, erklärt: „Viele unserer internationalen Kunden verlangen nach einem zentralisierten Logistiklager in Europa, von wo aus Produkte Just-in-Time individualisiert und distribuiert werden können, um lokale Marktanforderungen und Kundenbedürfnisse zu bedienen. Die Niederlande sind ein idealer geografischer Standort mit einer exzellenten Infrastruktur und sehr gut ausgebildeten Arbeitskräften.”

„Dies ist der dritte niederländische Standort, der von arvato SCM Solutions errichtet wird. Gemeinsam mit unseren Kunden befinden wir uns seit einigen Jahren auf einem steten Wachstumskurs. Mit diesem strategischen Investment erweitern wir unsere globale Präsenz, mit den Niederlanden als strategischem Tor nach Europa”, so Martijn Nielen, Director Hightech & Entertainment Niederlande bei arvato SCM Solutions.

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18 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 18. Peter Geven

    Zur Zeit ist die Niederländische Seite der Kreisgrenze überhaupt im „winning mood“bzg. großen Ansiedlungen von -DEUTSCHEN Unternehemen in der Logistik Branche.
    Dies obwohl der Kreis Kleve in dem Bereich genau so toll aufgestellt ist.

    Problem könnte allerdings sein dass dei Kever Marketeere nicht wirklich förderlich unterweg sind.
    Wenn man ab -zumindest schon ab verganger Samstag der 27.08.2015 nicht übers Internet erreichbar ist.. stattdessen Tag für Tag diesem Bericht vorfindet.

    http://www.bilder-upload.eu/show.php?file=932897-1472569142.jpg

     
  2. 17. laloba

    @16 otto … das ist ja ein Hammer-Satz 😉

     
  3. 16. otto

    @15 laloba,

    und dann habe ich auch noch die niederl. Worte nicht richtig geschrieben. -Vieles- ist so
    eine Sache. Was meinst du zu folgendem Satz, den ich selbstverständlich weder ins
    Niederländische noch ins Englische richtig hin bekommen kann: Unser Ich-Bewusstsein
    gleicht einem Schatten, der meint, er verursache sich selbst.

    gruss
    von mir an Dich

     
  4. 15. laloba

    @13 otto … ja, mit der perfekten Beherrschung einer Fremdsprache ist das so eine Sache 😉 …

     
  5. 14. Lohengräm

    @12
    Derrik? Quatsch.

    „Forsthaus Falkenau“, „Diese Drombsuchs“, „Ich heirate eine Familie“.

    Echte Deutsche Kultur ! Und Heile Welt!

    😀

     
  6. 13. otto

    @9 Laloba,

    nicht nur im Satzbau bestehen gravierende Unterschiede, auch in der Sprache kommt es
    oft zu Verwechselungen z.B.

    ……………….lichams ofening zaterdag ochtend……………. (könnte Deutsch bedeuten, Leichnams-
    öffnung Samstag Morgen) das führte zu großem Gelächter, es meint schlicht nur Körperübungen
    am Samstag Morgen.

     
  7. 12. laloba

    Dann wär es mal ein Versuch wert, den Flüchtlingen „Derrick“ und „Der Alte“ zu zeigen …

     
  8. 11. pd

    @8

    Das Niederländer in der Regel fitter sind in Sachen Fremdsprachen liegt, wie von Andreas Bulkens schon richtig vermutet, am nicht synchronisierten Fernsehen.

    Noch anschaulicher wird das wenn man sich mit Skandinaviern unterhält. Die haben keine Landesgrenze zu Deutschland und lernen Deutsch auch selten in der Schule. Trotzdem wird dort zumindest von der Generation Festivalbesucher die ich regelmäßig treffe perfekt Englisch und oft auch nahezu perfekt Deutsch gesprochen. Fragt man nach dem Warum bekommt man Derrik und Der Alte als Antwort.

     
  9. 10. laloba

    … wobei Deutsch bis in die 1990er Jahre Pflichtfach war an niederländischen Schulen … dann wurde die Wahlmöglichkeit eingeführt

     
  10. 9. laloba

    In Deutschland ist Niederländisch vielerorts kein Pflichtfach oder wird nicht mal als Unterrichtsfach angeboten. Im grenznahen Bereich gibt es mittlerweile bilinguale Schulen; früher gab es teilweise Niederländisch-AGs ohne Notengebung, an denen man freiwillig teilnehmen konnte.
    In den Niederlanden war Deutsch immer ein offizielles Unterrichtsfach, das neben dem Pflichtfach Englisch gewählt werden konnte als Alternative zu z. B. Französisch.
    Das erklärt, warum viele Holländer ganz gut in Deutsch sind und Deutsche eher weniger gut in Niederländisch. Denn Niederländisch ist eine eigenständige Sprache mit einem teilweise zum Deutschen unterschiedlichen Satzbau, die man nicht zwangsläufig beherrscht, wenn man Platt kann.

     
  11. 8. Lohengräm

    @4
    In der Regel sind die Deutschen , vor allem die jüngere Generation, mindestens zweisprachig Deutsch/Englisch, Kinder/Jugendliche mit Migrationshintergrund dreisprachig.

    >Nebenher ist Deutsch auch eine oft gesprochene Sprache – unter anderem auch, weil viele Deutsche sich immer noch nicht so recht zu trauen scheinen, endlich mal Niederländisch zu sprechen

    Das liegt wohl viel eher daran, dass die Niederlande nur 2 Landesgrenzen haben, davon 1 „fremdsprachige“ (wobei Deutsch zum Niederländischen auch keine wirkliche Fremdsprache ist), Deutschland hingegen 9 / 5.

    Die Sprachkompetenz der grenznahen Niederrheiner (vor allem der Generation bis 60 , die Platt/Niederländisch nicht mehr von den Eltern mitbekommen haben), ist allerdings durchaus ausbaufähig, das gebe ich zu. (spreche selber niederländisch)

     
  12. 7. Nobody

    @6. Andreas Bulkens

    Wie Sie das beschreiben, kann man das „arbeitnehmerfreundlich“ sehen. Vielleicht kommt es darauf an, wo man arbeitet und ob befristet oder jahrelang schon unbefristet.

    Es wurde mir von Menschen berichtet, die hier leben und schon jahrelang unbefristet in den Niederlanden arbeiten, und nun wird versucht, seit der Arbeitsrechtsänderung 2015, diese für neue, befristete Arbeitsverhältnisse, „kollegial hinaus zu mobben“………..es handelt sich hier leider nicht um einen Einzelfall…..

     
  13. 6. Andreas Bulkens

    @4:
    Ich arbeite nun schon sehr lange in den Niederlanden und darf aus eigener Erfahrung behaupten, dass der größte Teil der Niederländer „mindestens“ dreisprachig ist. Neben dem Niederländisch ist Englisch total normal – in den Niederlanden wird im Kino/Fernsehen nicht synchronisiert, da wird untertitelt.
    Nebenher ist Deutsch auch eine oft gesprochene Sprache – unter anderem auch, weil viele Deutsche sich immer noch nicht so recht zu trauen scheinen, endlich mal Niederländisch zu sprechen 😉
    In meinem Arbeitsleben spreche ich für gewöhnlich Niederländisch, Englisch und Deutsch – ebenso wie meine niederländischen, polnischen, tschechischen, deutschen, arabischen … Kolleginnen und Kollegen.
    Bemerkenswerterweise sprechen die Niederländer ein unverfälschteres Englisch als der gefühlte Großteil der Deutschen – u.a. weil dort weniger englische Begriffe eingeniederländischt werden.
    Insgesamt ist die Arbeitskultur in den Niederlanden eine m.M.n. bessere, nicht nur die echte Augenhöhe auf der sich sämtliche Mitarbeiter befinden -vom Praktikanten bis zum Chef-, die gelassenere Art und die deutlich fürsorglichere Führung der MA – nein, auch die Effektivität, der Gemeinschaftssinn und die Kollegialität. Vor allem aber, vielleicht der wichtigste Punkt: Monetäre und persönliche Wertschätzung der geleisteten Arbeit.

     
  14. 5. Jürgen Böll

    Für die Klever Arbeitswelt gibt es einen neuen Schlag.
    Denn für die Volkswagen- und Audi-Vertretung am Nosenhof 1, an der Kalkarer Straße kurz Autohaus Minrath genannt, ist Ende des Jahres Schluss.
    Die Moerser Firmenzentrale wollte nicht mehr weiter in den Standort investieren. Einem Teil der Beschäftigten wurde nun im July gekündigt.
    In den letzen Jahren war dieses Autohaus immer wieder ins straucheln geraten, nun war das straucheln wohl zuviel und des EXIT wohl in Moers für leve beschlossen.
    Die VW- und Audi-Kunden müssen bald sehr weit für Service und Reparaturen fahren.

     
  15. 4. Lohengräm

    @1

    >“wenn man dann noch Deutsch und Französisch kann, hat man ein solides Fundament“

    das halte ich für ein Gerücht dass die Niederländer standardmässig viersprachig aufwachsen. Die Sprachkompetenz der Niederländer ist nach meinen Informationen weder besser noch schlechter als die der Deutschen.

     
  16. 3. Lohengräm

    >Kurze Distanzen zu inländischen Verschiffungsterminals und zum Schienenverkehr

    Aus welchem Werbeprospekt stammt denn diese Aussage?

    Genau diesbezüglich ist dieser Standort gegenüber Duisburg oder Neuss (gegenüber Köln und Düsseldorf auch günstiger) deutlich unterlegen.

    Und wieso braucht man für Konsumgüter (ich vermute mal in der Endverbraucherlogistik ) Verschiffungsterminals?

    Im Übrigen hatte man in Kleve ein ebensolches. Hat man aber abgeschafft.

    Und Gleisanschluss sehe ich in Gennep nicht.

     
  17. 2. otto

    @1 K.Brückenbauer,

    deine Ausführungen halte ich für sachlich und kompetent. Sie spiegeln einfach DAS wieder,
    was der Markt erfordert.

    Dass Menschen dabei auch als Material bentutzt und verschlissen werden können, ist die dunkle Seite desErfolges.

     
  18. 1. K. Brückenbauer

    Holländer suchen Leute mit der richtigen „DNA“

    Wer niederländische Geschäftsleute fragt, warum Sie sich für gewisse Standorte entschieden haben oder entscheiden, der bekommt schnell zu hören, dass es natürlich die steuerlichen Vorteile sind aber auch die Qualität der Arbeitnehmer. So habe ich schon bei Gesprächen in Geldermalsen von Personalleitern zu hören bekommen, dass Sie gerne Leute mit der richtigen „DNA“ einstellen. Das heißt in meinen Augen, dass man eine sehr gute Schulausbildung mitbringt, wobei fließend Englisch Pflicht ist, niederländisch sowieso und wenn man dann noch Deutsch und Französisch kann, hat man ein solides Fundament. Nun ist es weiter so, das die Holländer auch wenn Kinder da sind „beide“ Elternteile berufstätig sind. Die Voraussetzungen vom Staat hierfür sind ok. Dies ist ein eingespieltes Ding in NL. Bei uns hingegen noch in den Kinderschuhen. Auch wenn das die lokale Politik in Kleve anders sieht. Somit hat NL hier einen klaren Standortvorteil. Zur richtigen „DNA“ könnte ich noch lange Geschichten erzählen.
    Wer mal Lust hat kann gerne mal nach Geldermalsen – Distributiecentrum fahren. Hier findet man Albert Hein, Blokker usw.. Die ganze Gegend ist natürlich voll mit Logistik (Abdeckung Logistik für südlicher Teil NL). Dies hat zur Folge, dass im Berufsverkehr die Autobahnen immer sehr voll sind. Das arvato nun Richtung Gennep ist, macht so gesehen natürlich Sinn, weil zumindest der Berufsverkehr für die LKWs und die Mitarbeiter entspannter ist, als wie z.B. in Geldermalsen und die Flächen günstiger sind und so weiter und so weiter.
    Trotzdem denke ich, dass die richtige „DNA“ der Mitarbeiter die zur Verfügung stehen müssen für ein neues Unternehmen am wichtigsten sind. Also Ausbildung der Mitarbeiter, Flexibilität, usw. .
    Kommt nun ein Unternehmen aus den USA wie Tesla nach Europa, dann benötigt die Firma neue Mitarbeiter, die die DNA haben um in diesem Umfeld überleben zu können (losgelöst von den steuerlichen Vorteilen in NL / prefab Fahrzeuge aus USA / Hafenanbindung usw.). Mit dem Umfeld meine ich, dass man erst mal klar kommen muss mit der Mentalität der Amerikaner. Tagelang hat man etwas vorbeireitet, denkt alles super und dann sagt die andere Seite „alles bullshit“. Hier sind die Holländer vielleicht etwas flexibler als wir, die rufen in der Kinderbetreuung an und regeln die Abholung der Kinder. Dann setzten sie sich an den Schreibtisch und machen die Pläne neu, denn das erwarten die Amerikaner, Zeitverschiebung egal. „Schöne neue Welt“.
    Wenn wir nun Wirtschaftsförderer haben, die die richtige DNA haben und den neuen Firmen dies klar machen können, dass es kein Problem ist 600Mitarbeiter für einen neue Ansiedlung zu bekommen, hat auch Kleve die Möglichkeit weiter größere Firmenansiedlungen zu bekommen.

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