(3/24): Werner Stalder: Ich und der Papst

rd | 03. Dezember 2016, 16:21 | 4 Kommentare
290 Seiten über Gott und die Welt, insbesondere aber über die Päpste und Kranenburg

290 Seiten über Gott und die Welt, insbesondere aber über die Päpste und Kranenburg

Der Papst besucht Werner Stalder. „Das ist auf Dauer einfacher“, so Benedikt XVI. kalt lächelnd. [kleveblog, Dezember 2011, in einer fiktiven Jahresvorschau]

Es gibt Bücher, denen sieht man auf den ersten Blick an, dass sie etwas Besonderes sind. Das 292 Seiten starke Werk, das in der Buchhandlung Hintzen neben der Kasse auf dem Tresen liegt und den etwas verspielten Titel „Mein ‚gestaldertes‘ Leben“ trägt, gehört dazu. Es sind die Lebenserinnerungen von Werner Stalder, und wer den guten Mann kennt, weiß, dass also eine Menge Päpste drin vorkommen (3) und viele Schilderungen, die mit dem Engagement des Kranenburgers für die Kirche zusammenhängen. Die Kapitel heißen also „Pilgerfahrt nach Rom 1971“, „Erste Begegnung mit Papst Johannes Paul II. nach 1978“, „Bischof Antonio Baseotto in Nütterden 2003“. Das überrascht nicht wirklich, ist mit viel Freude am Detail beschrieben und dürfte die Bedeutung, die Werner Stalder seinem Tun beimisst, angemessen widerspiegeln.

Doch das ist, vielleicht nicht mengenmäßig, aber doch inhaltlich nur das halbe Buch. Die andere Hälfte der „77 bewegenden Jahre“, so der Untertitel der Autobiografie, behandelt ein Leben am Niederrhein durch den Lauf der Zeiten, und auch diesen Schilderungen wohnt eine eigentümlich warme, oder, um es mit den Worten des Autors auszudrücken, „gestalderte“ Sicht der Dinge inne.

Unser Haus

Unser Haus

Beispiel Hausbau 1973: „Im November 1973 konnten wir unser neues Haus einziehen. Wir waren glücklich, obwohl noch manches fehlte. Die Finanzierung war durch günstige Kredite, Bescheidenheit und vor allem durch größte Sparsamkeit gesichert. Die Hauseinsegnung nahm Kaplan Theodor Pleßmann vor.“

Das ist eine Miniatur, wie aus dem Holz für einen guten Altar geschnitzt.

Beispiel Weihnachten 1973: „Durch [meinen Arbeitgeber] Herrn Diehl bekam ich die Idee, [meiner Frau] Elisabeth einen Dackel zu schenken… Als schließlich Elisabeth den Deckel öffnete, sah sie in zwei kleine Hundeaugen. Vor Überraschung und Freude kamen ihr die Tränen… Wir tauften ihn ,Sonni‘. Vor der Christmette ging ich mit ihm am Renneken ohne Leine spazieren, da laut Züchter der junge Hund meinte, ich wäre seine Mutter. Plötzlich kam ein Auto, und ‚Sonni‘ sprang in das Bächlein. Ich sprang hinterher und konnte ihn retten. Pudelnass, unter meinem Mantel, kam ich mit den kleinen Kerl nach Hause. Sofort gab’s auf den neuen Teppich eine ,Bescherung‘. Viele wunderbare Erinnerungen verbinden wir mit ‚Sonni‘.“

Wer schreibt, hat im Grunde zwei Möglichkeiten. Entweder er sucht den größtmöglichen Abstand zu sich selbst, dann ist die Schreibkunst ein Handwerk, bei dem gewisse Regeln der Dramaturgie zu beachten sind, um den Leser an den Stoff zu fesseln. Oder aber, und dies ist die deutlich spannendere Variante, man betreibt eine Nabelschau, die einen verletzbar macht und die ihren Reiz aus der Nähe bezieht, die der Autor dem Leser zugesteht. Diese Nähe ermöglicht in diesem Fall den Blick auf die behagliche Nestwärme eines vom Glauben geprägten niederrheinischen Familienlebens, und das ist eine überraschend interessante Erfahrung.

„Meiner Frau Elisabeth, mit der ich 50 Jahre glücklich verheiratet bin“, so lautet die Widmung am Anfang des Werkes. Das Buch, es ist gewissermaßen ein Lob der Strecke, die am Ende eines gemeinsamen Lebens steht, und es ist die Aufforderung, sich selbst treu zu bleiben – auch wenn das vielleicht von anderen belächelt werden mag.

Und dann findet man wieder kleine Perlen wie den Fotohinweis: „Gottfried Evers, Klaus-Dieter Stade, L’Osservatore Romano, privat“.

Das Buch „Mein ,gestaldertes‘ Leben“ wird über die Buchhandlung Hintzen vertrieben und ist zum Preis von 19,95 € erhältlich.

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4 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 4. otto

    @3.Wolfgang,

    nicht lesen wenn es nervt, eine vernünftige Empehlung. Mit der Abbildung des architektonischen
    Solitärs bleibtg kaum etwas anderes übrig.

     
  2. 3. Wolfgang

    @ Rainer: Vielleicht sind Sie selber noch nicht darauf gekommen, aber einfach nicht lesen wenn es nervt soll schon mal geholfen haben

     
  3. 2. otto

    Warum sollte so ein Buch nicht geschrieben werden, man braucht es weder zu lesen noch zu kaufen!

     
  4. 1. Rainer

    Dieses Jahresendliche Gesülze nervt