(3/24) Mit dem blauen Band der Sympathie

rd | 03. Dezember 2015, 23:31 | 23 Kommentare
Blue Bayou

Blue Bayou

Die Volksbank Kleverland hat am Wochenende ihren neuen Hauptsitz, den nunmehr vierten, an den ich mich persönlich erinnern kann, seiner Bestimmung übergeben, und, das lässt sich nicht anders sagen, ein fulminantes Gebäude geschaffen – fragt sich nur, in welche Richtung fulminant. Es wird sich weisen.

Viele Leser haben es gefordert, und die Redaktion konnte sich diesen Wünschen nicht verschließen und liefert hier eine Stilkritik, wie sie nicht schöner im Magazin „Der Baumeister“ hätte abgedruckt werden können.

Fangen wir außen an. Das Gebäude ist beige. Beige ist die Farbe der Unentschiedenheit. Es ist nicht so weiß wie das „Spoy-Palais“ von alltours-Chef Willi Verhuven am Opschlag, aber auch nicht so schwarz wie das Rathaus. Es ist, wie ein Kontostand idealerweise sein sollte: ausgeglichen. Man darf nicht vergessen, dass es sich um einen Zweckbau handelt, der es Menschen ermöglichen soll, Geldbestände zu verwalten, ohne dass sie nass werden, wenn es regnet.

Andererseits erfüllt gerade die Hauptstelle einer Bank in einer kleinen Stadt auch den Zweck, das Unternehmen und sein Selbstverständnis darzustellen.

Von außen also wirkt der Neubau erst einmal erhaben und mächtig, schon so, dass er mit dem Rathaus rangeln möchte.

Das Rathaus entfaltet allerdings nur einen frugalen Charme, es lässt jeden sofort wissen, hier steht kein Palast, hier sind die Bürobatterien des Berufsbeamtentums. Dagegen scheint die Volksbank Kleverland mit einem kleinen Accessoire die eigene Bedeutung ein wenig, nun ja, aufzublähen: Teil der Fassade ist eine im schlichten Grau gehaltene Säulenkonstruktion, die in ihrer Ästhetik auf Tempel der Antike verweist. Akropolis, adieu! Im Grunde wird hier darauf rekurriert, dass die Banken das Abendland in die Knie gezwungen haben.

Konterkariert wird der tempelartige Eindruck durch ein blaues LED-Leuchtband, das sich in zehn Metern Höhe rings um das Gebäude zieht und bis in den späten Abend hinein leuchtet. Das ist ein bisschen Las Vegas, und man kann sich vorstellen, dass die Gäste, die im Hotel Rilano im Sommer auf dem Balkon sitzen, sich etwas anderes vorstellen, als auf einen blau leuchtendes Band der genossenschaftlichen Sympathie blicken zu müssen.

Aber, mal abgesehen davon, dass Blau (neben dem komplementären Orange) die Farbe der Volksbank ist, lässt die gewählte Form des Bandes tief blicken. Einerseits war das blaue Band früher die Auszeichnung für das Passagierschiff, welches am schnellsten den Atlantik überquerte. Die Titanic scheiterte bei dem Versuch, es zu erringen, an einem Eisberg. Andererseits ist das „Blaue Band“ der Markenname einer Margarine, die in den Anfängen des vorigen Jahrhunderts in Kleve produziert wurde. Margarine wird aufs Brot geschmiert und sorgt durch ihre Konsistenz dafür, dass alles leichter zu schlucken ist.

Im Unterbewusstsein beladen mit all diesem Wissen wagt nun der Kunde den Gang ins Innere des Etablissements. Es ist eine Offenbarung. Im taghellen Licht des Foyers dürften zwielichtige Gestalten, die möglicherweise die Absicht verfolgen, dunkle Geschäfte zu betreiben, gleich verschreckt werden. Das ist gut, Banken müssen ehrlich sein, auch wenn dies zu Lasten des Profits geht!

Wer aber nun denkt, Banken, das war doch irgendwas mit Geld, sieht sich enttäuscht. Wer tatsächlich irgendein Bargeschäft erledigen möchte, muss dazu einen kleinen Nebenraum betreten, der im Gegensatz zum Rest des Foyers sogar in der Mittagspause geschlossen ist. Die Geldautomaten sind an den linken Rand des Gebäudes gedrängt, auf den ersten Blick sieht der Kunde auch nur einen Kontoauszugsdrucker, ein weiterer, so stellt sich auf Nachfrage heraus, befindet sich am anderen Ende des Gebäudes. Die Sprache der Raumaufteilung sagt: Bitte belästigt uns mit diesem Kleinkram wirklich nur, wenn es gar nicht anders geht. Geld ist eine saubere, aseptische, elektronische Sache geworden.

Sollte jemand eingehender die Geschichte der Planung dieses Neubaus verfolgt haben, an dieser Stelle sei zwanglos der Name der Initiative „Denkpause“ fallen gelassen, wird er sich erinnern, dass Einwänden, ein solches Bankgebäude mitten in der Stadt, auf einem „Filetgrundstück“, sei werktags nach siebzehn Uhr und an den Wochenenden klinisch tot, damit begegnet wurde, dass in der Immobilie auch Platz für Einzelhandel vorgesehen sei. Später wurde es konkreter, und die Bank ließ verlauten, es werde eine Weinhandlung in dem Gebäude eröffnet. Das weckte Hoffnungen. Insbesondere die Vorstellung, vor der Beantragung eines Kredites oder vor dem Hinweis auf die bevorstehende Privatinsolvenz noch einmal im Haus den teuersten Bordeaux zu bestellen und sich in die richtige Stimmung für das Gespräch zu trinken, besänftigte viele Kritiker.

Jetzt nicht weinerlich werden!

Jetzt nicht weinerlich werden!

Und dann das! Aus dem Einzelhandel, aus der Weinhandlung ist eine kleine Theke geworden, dahinter ca. 17 Flaschen in drei Regalen, ein Wein des Monats – sicherlich allesamt keine schlechte Tropfen, denn der Geschäftsführer der Volksbank Immobilien GmbH, Jürgen Schröter, ist dafür verantwortlich. Aber die kleine Theke an der Rückseite des zentralen Empfangsschalters ist vielleicht nicht das, was sich ein Weinkenner unter einem Ambiente vorstellt, in dem er einen edlen Tropfen auf seine Qualität verkostet. Und vielleicht auch nicht das, was sich der Rat der Stadt Kleve unter Einzelhandel vorgestellt hat.

Es gibt auch Kunst, zum Beispiel stilisierte Palmen, eher gefällig, oder auch ein großflächiges abstraktes Gemälde, das der Erdgeschoss-Kunde in der oberen Etage sehen kann und das so ein bisschen danach aussieht, als hätte jemand zu Mondrian gesagt: „Sei doch mal lustig!“

Insgesamt also ein Gebäude, das sehr zum Nachdenken anregt und damit zweifelsohne seinem sachimmanenten Sinn, die Geldgeschäfte der Gegenwart zu dekonstruieren, gerecht wird. Und, wer dann doch den Mut auf sich genommen und inmitten des diskreten Bankgeschäfts einen Wein verkostet hat, könnte eventuell mit einem Korn Weisheit mehr nach Hause gehen: Volksbank Kleverland – stark im Abgang.

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23 Kommentare - Sortierung: Neuester oben / Ältester oben
  1. 23. Nobody

    21. Max Knippert

    Es war und ist überhaupt nicht in meinem Sinne und Wesen jemanden herab zu würdigen……..das überlasse ich anderen (man denke zurück an die Vergangenheit….)

    Und…….es ist überhaupt kein Unsinn, den ich schreibe….und wo gibt es in Kleve mehrheitlich „Experten“…..?

    In Kleve gibt es viel zu viele Menschen, die sich selber überschätzen!!!

     
  2. 22. HP.Lecker

    @19 MK

    Auch ein Gestaltungsbeirat wird nicht verhindern können, dass Fassaden mit WDVS versehen werden, bei denen die Wärmedämmungs-Komponente aus Polystyrol wäre.

    Ein Gestaltungsbeirat macht sicherlich Sinn: Die Sinnhaftigkeit klingt allerdings andererseits wie eine Ohrfeige gegenüber den Architekten, die ihre Arbeit machen, die dann mitunter korrekturbedürftig sein sollte?!

    Denn wenn Architekten, Stadtplaner und Landschaftsplaner in einem solchen Beirat vertreten wären, wer sagt denn, dass eben diese Akteure eine „bessere“ Qualität liefern könnten, als jene Architekten pp., die hier seit geraumer Zeit ihre Projekte platzieren. In Kleve haben sich bereits namhafte Architekturbüros eingebracht und die Objekte sind gut, wie ich finde. Das Büro HPP, dass das Spoypalais geplant hatte, oder jenes Büro, dass die Hochschule entworfen hatte oder das Büro Wrede aus Goch, dass das Herz-Jesu-Kloster „erfrischt“ und erweitert hat oder Ader & Kleemann, das nicht nur die Volksbank entwarf.

    Des Weiteren zeigt doch auch das Astoc-Ergebnis von 2009, wie „angreifbar“ Entwürfe sind, die von renommierten Planern entstehen – in diesem Fall die Kostenschätzung zur Rathaussanierung…

    Was wäre denn, wenn aus exemplarisch aus den vorgenannten Büros Entsandte im Gestaltungsbeirat tätig sein würden – wäre damit eine bessere Qualität hinsichtlich Stadtplanung und Architektur automatisch gegeben? Oder wird bspw. das Büro Ader & Kleemann wegen einiger Stimmen gegen die Volkbank als möglicher Akteur im Gestaltungsbeirat schon vorab disqualifiziert?

     
  3. 21. Max Knippert

    @Nobody
    bevor irgend jemand herab gewürdigt wird, solltest du dir zumindest die Mühe machen vorher darüber nachzudenken was für einen Unsinn du schreibst.

    Wie ein Gestaltungsbeirat zusammengesetzt wird entscheidet der Rat.
    Natürlich sollen da mehrheitlich Experten sitzen und eben keine Nobody,s

    Aber danke für das wunderbare Gespräch.

     
  4. 20. Nobody

    Wer soll denn hier in Kleve den „Gestaltungsbeirat“ machen? Ich finde das völlig unlogisch, wenn unprofessionelle Bürger/Innen, anderen vorschreiben möchten, wer welchen „Geschmack“ zu haben hat. Zudem manche Menschen hier noch in der Zeit des Mittelalters leben oder leben möchten!
    Ausserdem wenn gespart werden soll, dann an solchen unnötigen Stellen…….

     
  5. 19. Max Knippert

    Sehr geehrter Herr Schuster,

    die Veranstaltung wurde seinerzeit von den Offenen Klevern organisiert und leider haben sie in Bezug auf die ‘falsche Fraktion’ vermutlich recht. Aber das Klima, unter den Fraktionen, hat sich aus meiner Sicht, seit der Bürgermeisterwahl parteiübergreifend stark verbessert. Sie haben es beschrieben, die Vorteile eines Gestaltungsbeirat liegen auf der Hand und es gibt überhaupt keine nachvollziehbaren Gegenargumente.

    Herr Maas hat überzeugend argumentiert und genau wie Sie es herausstellen insbesondere für die Verwaltung selbst die Vorteile dargestellt. Dirk Posdena vom Fachbereich Planen und Bauen wäre nicht abgeneigt aber Herr Rauer lehnt es bisher kategorisch ab. Aber die Zeiten ändern sich und ich werde das Thema nicht aus dem Auge verlieren.

    Im Stadtentwicklungskonzept 2009 hat das Stadtplanungsbüro scheuvens + wachten ausdrücklich einen solchen Beirat empfohlen. Der Kulturausschuss wurde inzwischen zu einem Ausschuss für Stadtgestaltung erweitert, aber die Kompetenz hat sich dadurch ja nicht verändert und es Bedarf nun mal des unabhängigen Blickes von außen. Aber ich finde es sehr begrüßenswert das endlich über Architektur gesprochen wird obwohl es eine Debatte über Stadtplanung sein sollte.

    Hier noch ein Auszug aus dem Konzept von scheuvens + wachten.

    „Im Zuge der Bestandsaufnahmen zum Denkmalpflegeplan könnten auch die für die Gestaltungssatzungen relevanten Besonderheiten und Charakteristika wie Dachneigungen, Gaubentypologien, verwendete Baumaterialen und Grundstückszuschnitte der einzelnen Ortschaften identifiziert werden. Auf Grundlage dieser Informationen wäre es dann möglich, eine Gestaltungssatzung für die einzelnen Ortschaften beziehungsweise Quartiere zu entwickeln. Diese würden wichtige Gestaltungsprinzipien festlegen, die Bauherren bei Um- und Neubau zu berücksichtigen haben. Gleichzeitig sollten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung den Bauherren beratend zur Seite stehen und Möglichkeiten aufzeigen, wie ihr Neubau besonders gut innerhalb des Siedlungsgefüges harmoniert (Positivplanung).

    Gestaltungsbeirat

    Ein weiteres Instrument zur Qualitätssicherung von Neu- und Umbaumaßnahmen ist der Gestaltungsbeirat. Dieser ist ein unabhängiges Sach- verständigengremium, das durch seine Empfeh- lungen die bestehenden architektonischen und städtebaulichen Qualitäten sichern und zur Verbesserung des Stadtbildes beitragen kann. Der Gestaltungsbeirat begutachtet vor allem Vorha- ben von besonderer städtebaulicher Bedeutung in ihrer Auswirkung auf das Stadt- und Landschaftsbild. Des Weiteren kann er Bauvorhaben von privaten und öffentlichen Bauherren sowie für die Stadtentwicklung bedeutsame städtebauliche Planungen beurteilen. Die Empfehlungen richten sich an die zuständigen Fachausschüsse und an den Rat der Stadt Kleve – aber auch an die Verwaltung. Gerade bei aktuellen Entwicklungen wie der Entwicklung des Hafenbereichs und der Neugestaltung der Ortmitte in Materborn, kann der Gestaltungsbeirat eine große Hilfe sein.“


    @18.pd
    Qualität hat natürlich einen Preis, aber letzendlich sind die Kosten kleiner als wenn stumpfsinnig drauf los getackert wird. Wenn ich erwachsene Männer sehe, die Styropor schnitzen wird mir ganz anders. In der Tat – wir brauchen gute Maurer und gute Steine.

     
  6. 18. pd

    Bloß kein Gestaltungsbeirat. Das sind nur noch ein paar Figuren die Geld kosten und die einem erklären was alles nicht geht.

    Bauen ist schon sowas von reguliert und teuer, da sind noch mehr Köche gerade nicht das richtige Rezept.

    Voba und Hotelneubau waren politischer Wille, durchgesetzt durch gut vernetzte Bauherren die die Klötze gegen alle Widerstände durchgedrückt haben, da hätte auch kein Beirat mit superdupertollen Experten geholfen irgendwas zu verhindern.

    Das ist nur wieder ne Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Architekten und Kontrollfreaks. Es reicht wenn die Stadt eine Gestaltungssatzung und einen Bebauungsplan vorgibt, es braucht da nicht noch Experten die einem vorschreiben was man schön zu finden hat. Wenn ihr Arbeit sucht, gute Maurer werden immer gebraucht, demnächst gibts da ne richtige Lücke, will ja kaum noch wer ins Handwerk.

    Bitte weniger Kosten/Bürokratie und nicht mehr, Danke.

     
  7. 17. Stefan Schuster

    Ein Institut zur Verwaltung fremder Gelder sollte bescheidener daherkommen und nicht solch einen Prachtklotz hinstellen. Allerdings muss ich als architektonischer Laie sagen, dass mir die relativ luftige und offene äußere Gestaltung besser gefällt als die abweisend anmutende mittelalterliche Trutzburg wenige Meter weiter westlich – zumindest tagsüber, vor Anbruch der Dämmerung.

    Wie ist eigentlich die Debatte um die Einrichtung eines Gestaltungsbeirats weitergegangen? Auf einer Diskussionsveranstaltung der OK mit dem Architekten Michael Maas vor anderthalb Jahren wurde klar, dass Gestaltungsbeiräte unterstützend helfen können, bei der Stadtplanung legis arte zu arbeiten um Fehlentwicklungen zu vermeiden. Dabei seien, laut Maas, Gestaltungsbeiräte keine Verhinderungsgremien, sondern im Gegenteil geeignet, die Lokalpolitik vor ausufernder Kritik zu schützen und ein Stück weit aus der Schusslinie zu nehmen.

    Mich wunderte damals dass die Forderung nach solch einem Beirat von den OK (u.a.) kam, während die CDU, statt die Chance zu ergreifen, immer nur vehement dagegen war. Und dies für mich argumentativ nicht nachvollziehbar. Vielleicht kam die Forderung einfach nur von der falschen Fraktion, vielleicht spielten auch persönliche Antipathien eine Rolle. Sind die Fronten in Rat und Bauausschuss immer noch so verhärtet?

     
  8. 16. HP.Lecker

    @13 PW

    Ihre Einwände kann ich durchaus nachvollziehen. Aber was wäre passiert, wenn der Astoc-Entwurf von 2008 dort umgesetzt worden wäre: Dann würden da nun zweigeschossige Reihenwohnhäuser stehen an der Uferkante.

    Wäre das denn besser, was die „vor allem abends noch langweiliger und ausgestorbener“ wirkende Konsequenz betrifft?

    Und würde Ihr Vorschlag „Uferkante bis zum Wasser heruntergegraben … und das ganze mit einem Sandstrand versehen“ nicht auch eine Missachtung des Bürgerwillens bedeuten. Schließlich hatte sich anlässlich des Werkstattverfahrens die Mehrheit der Wähler für eine Wohnbebauung a la „astocschen“ Pläne ausgesprochen und nicht für einen Sandstrand…

     
  9. 15. Nobody

    Herr Wanders, wer unbedingt möchte, kann natürlich in Kleve`s Gewässern, Spoykanal, plantschen……nur an der HSRW, „Hafen“ ist es nicht erlaubt……… 🙂

     
  10. 14. G.m.

    Ich hoffe mal die Architekten konnten nix dafür und mussten das auf Geheiß des „Bauherrn“ so hinkriegen.
    Von Ader& Kleemann ist ansonsten besseres und gradliniges gewohnt.

    Die äusseren “ Säulenreihen“ ohne Funktion . ,Vorgetäuschte Horizontalträger .
    Architektonischer Firlefanz.

    Schlimmer gehts nimmer.

     
  11. 13. Peter Wanders

    Und für diesen Klotz hat die Klever Verwaltung Eigentümer enteigent, Wegerechte teuer aufgehoben, den Bürgerentscheid und die darauf basierende Ratsentscheidung aufgehoben, die europäische Ausschreibung ad absurdum geführt, das Gründen einer Bürgerinitiative provoziert, deren Einwände mit einem Handstrich zur Seite geschoben und im Eiltempo eine Baugenehmigung erteilt.
    Wirklich eine große Tat, die die Bürgermeisterin mal angemessen hätte rühmen können.
    Kaum irgendwo werden Bürgerentscheide und Bürgerwillen so mit Füßen getreten wie an dieser Stelle.
    Das Entree der Stadt ist nun mit der zweiten Bank vor allem abends noch langweiliger und ausgestorbener gemacht.
    Das garantiert natürlich die Ruhe der Hotelgäste.
    Viel billiger und viel belebender wäre es gewesen, wenn man die Uferkante bis zum Wasser heruntergegraben hätte und das ganze mit einem Sandstrand versehen hätte. Leben entsteht am Wasser erst, wenn man mit den Füßen im Wasser plantschen kann.
    Das Ergebnis hat nur ganz wenig mit dem Ergebnis des Verfahrens zu tun.
    Es war den Einsatz nicht wert, der im Rahmen des Gestaltungswettbewerbes den Planern und Bürgern abverlangt wurde?
    Herr Ruffing hat dort für sich und seine Bank Großes geschaffen.
    Welche Verbesserung stellt dies aber jetzt gegenüber dem Ursprungszustand dar?
    Und mit wieviel weniger Aufwand und Geld hätte man ein viel belebenderes Ergebnis herstellen können?
    Die Studenten werden dieses städtebauliche Element als weiteren Langeweileklotz in Hochschulnähe wahrnehmen.

     
  12. 12. Max Knippert

    Dieses Gebäude kann ich nicht.

    Ein ‚eisiger Wasserläufer‘, wirklich beeindruckend und spektakulär.
    Und das vor 80 Jahren!

    Übrigens soll das Wohnhaus (1968) von Kurt Mühlhoff, auf der Nassauerallee 81, abgerissen werden.
    Meiner Meinung nach, das Haus in Kleve was die Moderne widerspiegelt.
    Es sollte aber auf keinen Fall abgerissen werden sondern unter Denkmalsschutz gestellt werden.

    Ralf wenn du möchtest, stelle ich gerne Fotos und Zeichnungen zur Verfügung und jeder mache sich selbst ein Bild ?

    Helmut, deine Aussage; ‚Selbst bei der Villa …erschweren die Säulen den Blick ins Innere kaum…‘
    argumentierst doch genau in meine Richtung. Hier ist ein Wasserläufer der nicht absäuft.
    Die Klever Reminiszenz an das Berliner Museum hat aber weder Bodenhaftung noch greift es zu den Sternen. Der Mittelteil schluckt das Dach und erdrückt das Erdgeschoss. Wäre die Glasfassade im Erdgeschoss zurückliegend, würde das Gebäude zwar an Gewicht verlieren, aber unter dem Mittelteil einzustürzen drohen. Das ist anderes als bei Corbusier, dessen Haus wohl wegen Bauschäden unbewohnbar war, ein optischer Eindruck.

    Auf jeden Fall spricht man in Kleve und insbesondere in der Unterstadt über (neue) Architektur. Und dazu trägt die VoBa bei – immerhin.

     
  13. 11. otto

    @8.Max Knippert,

    welch eine zahme Kritik für städtebauliche Fehlleistungen , die sich zu einem Konglomerat der Scheußlichkeit
    entwickelt hat.

    Hinter der grauslichen Bank-Beleuchtung sieht der von Kellen Kommende das zarte Lichtchen der Schwanenburg,
    einst der überragende Stolz unserer Stadt, jetzt durch diese brutale Kirmesbeleuchtung mit Pröll-Charakter in den
    unscheinbaren Hintergrund gedrängt.

     
  14. 10. HP.Lecker

    @8 MK

    „…in diesem Fall aber keinen Bezug, da die Säulen eher den Blick ins Innere erschweren.“

    Das kann ich so gar nicht teilen.

    Selbst bei der Villa Savoye von Le Courbusier erschweren die Säulen den Blick ins Innere kaum…

    http://villa-savoye.monuments-nationaux.fr/thumb2/?q=75&w=1172&h=664&src=/var/www/www/fichier/m_monument/48/monument_pano_villa.savoye.png&f=jpg&bg=505053

     
  15. 9. Niederrheinstier

    Eine neue Bank in Kleve. Hmmm, da gehört eigentlich auch ein neuer Name für das entsprechende Stadtviertel dazu! Das global anerkannte Sinnbild für ein Banken- (bzw. Klotz-) Viertel schlechthin ist sicherlich Manhattan. In Frankfurt hat man daraus angesichts der dortigen, aufrechten Klotzbauten die Abwandlung Mainhattan kreiert. Das paßt, das ist die richtige Liga für Kleve! Ach, doch nicht? Dann siehe das neue Volksbankgebäude, das unter anderem doch auch von einer nicht unerheblichen Großmannssucht zeugt (bei einer für eine Bank doch recht niedrigen Bilanzsumme von unter 700 Mio EUR). Also ab sofort statt Mainhattan nun Spoyhattan – mit Volksbank, Deutscher Bank, Rilano-Hotel, Spoy-Palais, Spoy-Center etc. (und mit einem Bankenchef als neuen King von Spoyhattan). Einziger doch recht offensichtlicher Unterschied: Statt aufrecht hat man in Kleve-Spoyhattan all die Klötze liegend gebaut, einschließlich der zwölf liegenden weißen Riesen der HSRW – in der Provinz sind die Bodenpreise trotz der Hochschul-Hype halt noch immer etwas günstiger als in Mainhattan, so daß man flach statt hoch bauen kann. Trotzdem, man sieht sich ab sofort in Kleve-Spoyhattan – zwischen all den flachliegenden Klötzen. Das ist jetzt angesagt! Groetjes en tot ziens!

     
  16. 8. Max Knippert

    Der diesjährige Preisträger der ‘Windpocke’ ist als Anschauungsobjekt geradezu ideal, schade nur, das es auch wirklich gebaut wurde.

    Ein Zweckbau kommt meist Schmucklos daher, was hier offensichtlich nicht zutrifft. Mit ’Schmuck‘ wurde so freizügig jongliert, das es vermutlich einige Schwerverletzte zu beklagen gab. Und als Provanbau, nach der Segnung durch Probst Mecking, kann es ja somit auch nicht mehr gelten?

    Irgendwie will es ein Sakralbau zu sein. Am Kanal gelegen scheint aus Wasser – Wein zu werden…

    Säulen, werden durch ihre konzentrierte Tragkraft mit Transparenz gleichgesetzt. Diese symbolische Bildsprache hat in diesem Fall aber keinen Bezug, da die Säulen eher den Blick ins Innere erschweren. Es sind genau 18 Säulen, und der Zufall wollte es so, das ein weiteres Gebäude ebensoviele zählt. Da dieses Gebäude zu den bedeutendsten des Klassizismus gehört und, laut Wikipedia, als Höhepunkt im Schaffen von Karl-Friedrich Schinkel gilt, ist das alte Museum aus Berlin als Vorbild schon ein Griff nach dem architektonischen Olymp. ‚Wer hoch hinaus will, kann tief fallen, Und du, du trachtest nach grossen Dingen für dich? Trachte nicht danach! Jeremia 45,5 (Eine Anlehnung an Olaf Plotke, denn ich hatte noch einen gut!). Ich habe mich bei den Proportionen gefragt, warum das Mittelteil so schwerlästig daherkommt und dem Oberteil mindestens 130 Zentimeter zu fehlen scheinen, aber das Museum von Schinkel beantwortet auch dies. Der Mittelteil vom Museum wurde einfach als Negativ umgestülpt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Altes_Museum#/media/File:Altes_Museum,_Berlin_2012.jpg

    Kurz um, hier wurde einem Gebäude des Weltkulturerbes, ein viel zu kurzes Röckchen angezogen und Schmincke sehr dick aufgetragen. Nun steht das arme Mädchen da und holt sich eine Blasenentzündung.

    Im Inneren sieht es besser aus, aber dazu habe ich jetzt keine Lust mehr.

     
  17. 7. Meiner Einer

    Grundsätzlich finde ich das Gebäude schon gelungen, allerdings wirkt es im Dunkeln eher wie eine überdimensionierte Aral-Tankstelle. Eine dezentere Beleuchtung wäre m. E. besser gewesen, aber Dezent ist nicht die Stärke des Frank R.

    Außerdem muss sich auch die Frage stellen, was eine Bank, deren (Zwangs-)Fusion war wohl nicht mehr allzulange auf sich warten lassen wird, mit einem solch großen Bau dann machen wird. Reisebüro und Cafe zum Beispiel…

    Und dann natürlich immer noch die Problematik des „ungenutzten“ Gebäudes in der Innenstadt nach 17 Uhr.

     
  18. 6. HP.Lecker

    Die Säulen sowie die runden Richtungsänderungen einiger Linien/Kanten erinnern mich eher an das Stadtbad in Neukölln als an die Akropolis:

    https://www.rbb-online.de/content/dam/rbb/rbb/fernsehen/1a_startseite/21_dinge_berlin/10_DSC_0091_1280.jpg.jpg/size=708×398.jpg

     
  19. 5. Gallus

    Ich bin gerade einmal dort gewesen – das Bild diese „Weinhandlung“ ist einfach nur erschreckend primitiv. Passt allerdings zum gesamten Gebäude.

     
  20. 4. Günter Hoffmann

    Hallo,Ralf… bin mit der eleganten Entschärfung meines Kommentars zufrieden.

     
  21. 3. Günter Hoffmann

    (…) Die Begeisterung der Unterstadt, der Kleinsparer und Anleger über diese architektonische (…) wird sich aber wohl in engen Grenzen halten.

     
  22. 2. otto

    Bewundernswert wie elegant und stilsicher hier diese grandiose Scheußlichkeit beschrieben wird. Sie lässt auf „Vieles“
    schließen, auch auf das Gestaltungsverständnis der Genehmigungsinstitution.

     
  23. 1. Nobody

    …..ja, laut zeitungsberichtete Eröffnung, meinte die jetzt amtierende Bürgermeisterin für Kleve,
    Frau Sonja Northing, diplomatisch, dass es ein „Eye-Catcher“ sei………..
    aber dieses „Etablassements“ empfinde ich dennoch familienfreundlicher, als das vorher, von einem „Denkpausen-Mitglied“ und jetzigem „OK-ler“, gewünschten „Eros-Center mit Tiefgarage“…… ein bisschen „Las Vegas“ mit „Theke“ (ohne Erotik) darf’s dann als „Ersatz“ sein…….. 🙂