Nein, wer hätte das gedacht! Nun hat Jörg Cosar öffentlich gemacht, was jeder wusste – aber niemand offen zugab. »Der Preis der Variante C ist nicht haltbar«, so der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes bei einer Begehung der Unterstadt mit Mitgliedern der Senioren-Union (die RP berichtet heute). Variante C, das hätte die Sanierung des Rathauses sein sollen. Am 7.6.2009 hatten 13288 Klever in einer Bürgerbefragung abgestimmt, und 44 Prozent der Wähler hatten sich für die Option Rathaussanierung entschieden, vor allem wohl deshalb, weil es den meisten Wählern vermutlich etwas absurd erschien, in Zeiten knapper Kassen der Verwaltung noch einen selbstreferenziellen Prachtbau zu spendieren, während beispielsweise bei den Schultoiletten eher usbekische Standards als das Maß der Dinge zu gelten hatten.
An jenem Sonntag Abend im Sommer des Jahres 2009, unmittelbar nach Bekanntgabe der Ergebnisse, war Jürgen Rauer, der Chefplaner im Rathaus, noch in Feierlaune: »Wo kann man denn hier die Sektkorken knallen lassen?« fragte er, als das Endresultat verkündet worden war. »Im Zimmer des Bürgermeisters«, erhielt er zur Antwort. Sektempfang auf dem Flokati.
Das mögen damals schöne Momente prickelnder Euphorie gewesen sein, vielleicht aber war es schon damals auch eher eine gehobene Variante dessen, was als Frustsaufen bekannt ist – denn lieber hätten sie alle ein schickes, modernes, neues Rathaus haben wollen. Wer weiß, vielleicht ist es nun doch wieder in greifbarer Nähe, allerdings den mehrere hunderttausend Euro teuren Zinnober mit Workshops, Wettbewerb und Votum hätte sich die Stadt ja wohl sparen können.
In den ursprünglich herausgegebenen Unterlagen, die Grundlage der Bürgerbefragung waren, hatten die Planer die Kosten der Sanierung auf rund 8,3 Millionen Euro geschätzt, die beiden anderen Varianten waren im zweistelligen Millionenbereich, jeweils so um die 14 Millionen. Kurioserweise soll nun das einzige Angebot, dass im Zuge der europaweiten Ausschreibung der Rathaussanierung überhaupt eingegangen war, unbestätigten Gerüchten zufolge bei 13 Millionen Euro und somit nur geringfügig unter den Neubaukosten gelegen haben. Dumm gelaufen…



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