
Die Tausenden von Gasflaschen, die (noch) auf dem Eckgrundstück am Holtumsweg lagern, werden vermutlich nicht halb so explosiv sein wie die Geschichte des Grundstücksverkaufs. Die beginnt damit, dass der Investor mit dem Weezer Bürgermeister Ulrich Francken (CDU) über seine Pläne spricht. Ein paar Wochen später taucht bei dem privaten Verkäufer plötzlich ein neuer, dem Flughafen verbundener Interessent auf, überbietet den ursprünglichen Interessenten um ca. 50 Prozent – und der Flughafen zaubert dasselbe Geschäftsmodell des Off-Airport-Parkens aus dem Hut
So ist das: Der Flughafen hat ein ganz, ganz extremes Geschäftsmodell, da gibt es überhaupt keine Probleme, das ist im übrigen alles auch “der Markt”, und bevor hier weiter blöde Fragen gestellt werden: Es ist alles, aber auch alles abgestimt mit den Gremiem und dem Aufsichtsrat, dessen stellvertretender Vorsitzender der Landrat Wolfgang Spreen (CDU) ist (der also auch mit drin hängt). Hier wie versprochen die Abschrift meiner 391 Sekunden langen Frage- und Antwortrunde mit dem Flughafengeschäftsführer Ludger van Bebber zu den Themen Arbeitnehmerüberlassung, Grundstückgeschäfte und Darlehensrückzahlung.
Ich möchte jetzt noch mal auf die Arbeitnehmerüberlassung zu sprechen kommen, weil sich da ja herausgestellt hat, dass Sie auch privat Gesellschafter der Firma sind, die diese Arbeitnehmerüberlassung betreibt. Sehen Sie da eine Interessenkollision?
Ludger van Bebber: Überhaupt nicht, überhaupt nicht. Wie Sie ja an der Gesellschafterliste auch gesehen haben, ist der Eigentümer des Flughafens auch Gesellschafter, das heißt, alles, was dort stattfindet, kann am Ende nur ihn treffen. Insofern: Nein, überhaupt nicht.
Am Montag Abend hat Arbeitsministerin von der Leyen im Fernsehen nochmals gesagt, dass solche Modelle der In-House-Arbeitnehmerüberlassung, wie sie ja auch bei Schlecker betrieben wurden, „unter aller Kanone“ seien. Wie bewerten Sie das denn?
Ludger van Bebber: Da stimme ich vollkommen mit Frau von der Leyen überein. Was das Schlecker-Modell angeht, ist das sicherlich so. Es hat nur überhaupt nichts zu tun mit dem, was wir gemacht haben. Schlecker hat, wenn ich es richtig verfolgt habe, bestehende Geschäft aufgelöst und die Arbeitnehmer gekündigt, um sie dann zu deutlich niedrigeren Löhnen in anderen Geschäften anzustellen. Wir haben im Wesentlichen von einer bestehenden Arbeitnehmerüberlassung, der Firma Kangoroo, Arbeitnehmer rübergenommen in eine andere Arbeitnehmerüberlassung und haben dabei die Löhne erhöht. Das sehe ich in keiner Weise, und deshalb ist es ja auch so geräuschlos, eigentlich nur Sie haben ja das Thema damit, kein anderer hat eigentlich das Thema damit, die Arbeitnehmer sind durchaus o.k. damit, sie haben einen höheren Stundenlohn als vorher und insofern auch einen höheren Stundenlohn als die einschlägigen Gastronomietarife, von daher ist das für uns überhaupt kein Thema, es war auch nie die Zielsetzung, die Zielsetzung ist überhaupt nicht in irgendeiner Weise, wir haben hier überhaupt keine Struktur, wo wir hier über Mindestlöhne sprechen müssen, wir sind überall weit darüber, das ist überhaupt keine Fragestellung, ja?
Und warum werden die Leute nicht einfach beim Flughafen direkt angestellt? Sie brauchen die Leute doch permanent, das zeigen doch ihre tollen Geschäftszahlen…
Ludger van Bebber: Nein, weil die Flexibilität in diesem Bereich insgesamt höher ist. Warum soll ich die Leute von der Arbeitnehmerüberlassung (…unverständlich…), da hätte ich sie am Anfang gar nicht reinziehen müssen, das ist ja schon seit Jahren so, es ist ja kein neuer Zustand. Also ich verstehe die Fragestellung insgesamt nicht…
Man könnte sagen, Profitmaximierung – das haben Sie als Ziel ja auch ausdrücklich erklärt – zu Lasten der Beschäftigen.
Ludger van Bebber: Ich habe nicht gesagt Profitmaximierung, ich habe das gesellschaftliche Grundverständnis preisgegeben, dass ich der Meinung bin, dass Unternehmen Gewinne machen müssen. Das halte ich auch nach wie vor für absolut wichtig, da arbeiten wir sehr, sehr scharf dran, und da sind alle Gesellschafter, inklusive der öffentlichen Gesellschafter heilfroh, die haben mich 2005/2006 mit runzelnder Stirn angeguckt und gehofft, dass auch die Darlehen in einem Unternehmen sind, dass gesund ist am Ende des Tages. Wir haben über viele Jahre hart arbeiten müssen, um überhaupt diese Gesundung hinzubekommen. Wir arbeiten mit einem ganz, ganz extremen Geschäftsmodell. Und insofern ist es glaube ich in keiner Weise zu kritisieren, Gewinne zu machen. (…) Alle Entscheidungen sind im Kern davon geleitet, den Flughafen optimal wachsen zu lassen.
Gehört zu diesem „extremen Geschäftsmodell“ denn auch, Konkurrenten plattzumachen?
Ludger van Bebber: Nein, das gehört sicher nicht dazu, Konkurrenten plattzumachen. Dazu gehört, dass wir in den Märkten unsere Chancen wahrnehmen. Das ist ganz klar.
Der Investor, der am Holtumsweg diesen Parkplatz bauen wollte, hatte die Pläne schon fertig. Und dann kommt plötzlich ein Interessent und bietet 200.000 Euro mehr für das Grundstück.
Ludger van Bebber: Das kann ich Ihnen nicht sagen, ob er 100.000 Euro mehr oder weniger geboten hat für dieses Grundstück, das wir angemietet haben, wenn es denn so wäre, dann wäre es auch vollkommen klar: Das ist Markt. Das ist doch Markt. Es gibt doch auch nicht nur ein Grundstück, er kann sich doch das nächste Grundstück nehmen und kann’s da realisieren.
Wo hatten Sie denn die Info her, dass dieses Grundstück erhältlich ist?
Ludger van Bebber: Wir haben von dem, der es gekauft hat, die Info bekommen.
Steht der in irgendeinem Zusammenhang mit dem Flughafen, eventuell auch familiärer Natur?
Ludger van Bebber: Natürlich steht der in einem Zusammenhang, der ist hier ein Berater.
Können Sie das noch etwas genauer erklären, zum Verständnis?
Ludger van Bebber: Nein, ich wüsste nicht, was da weiter zu erklären ist. Er berät uns in finanziellen Fragen. Er ist bei PriceWaterhouseCooper gewesen, er macht bei uns Financing/Modelling et cetera et cetera, und wir sind glücklich gewesen, dass wir einen Zugriff auf dieses Grundstück haben.
Dass von seinen Eltern gekauft wurde? Habe ich das richtig, dass es von seinen Eltern gekauft wurde?
Ludger van Bebber: Nur damit wir uns klar sind: Es ist komplett in Abstimmung mit Gremien, mit Aufsichtsrat – da ist überhaupt gar nichts an Problemen drin, auch wenn Sie es gerne hätten, es ist komplett in der Breite abgestimmt. Selbstverständlich lassen wir es nicht zu, dass Wertschöpfungsketten von uns abgesaugt werden, die wir dringend benötigen, das ist doch gar keine Frage. (…) Jedes Wachstum muss für uns Wertschöpfungsbeiträge bringen.
Sind die Wertschöpfungsbeiträge denn hoch genug, dass Sie am Ende des Jahres den Kredit an den Kreis zurückzahlen können?
Ludger van Bebber: Das steht im Moment nicht zur Diskussion. Wir haben am Ende des Jahres eine Diskussion, und dann werden wir die führen, wenn die Diskussion reif ist.
Sie haben hier Ausblicke bis 2012 und weiter gegeben, da werden Sie doch schon wissen, ob Sie am Ende des Jahres zurückzahlen können.
Ludger van Bebber: Wir werden solche Dinge mit den Banken diskutieren, und nicht anderthalb Jahre vorher, das können Sie sich ja vorstellen…
Das sind ja jetzt nur noch neun Monate, oder acht…
Ludger van Bebber: Ja.
Ein anderer Journalist: Zurück zum Thema noch mal…



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